MMC Studios-Geschäftsführer Jens Wolf im Interview mit medienstadt.koeln: “Im Studiobereich erkennen wir schon jetzt eine starke Auslastung im ersten Halbjahr.”

In der Interviewreihe “Rückblick 2020 – Ausblick 2021” auf dem Portal medienstadt.koeln schauen Jens Wolf, Geschäftsführer der MMC Studios Köln GmbH, und andere Vertreter und Vertreterinnen der Kölner Medien- und Kulturwirtschaft zurück auf ein schwieriges Jahr und wagen einen Blick nach vorne – auf ein hoffentlich besseres 2021.

Interview mit Jens Wolf, Geschäftsführer der MMC Studios Köln GmbH:

In welcher Stimmung starten Sie ins neue Jahr?
Wir starten sehr positiv gestimmt ins neue Jahr. Natürlich war 2020 eine einzige Aneinanderreihung neuartiger Herausforderungen, doch wir haben das Jahr trotz aller Widrigkeiten gut gemeistert. Wichtig dabei war, dass wir proaktiv organisatorische und technische Lösungen geschaffen haben, wie wir in Zeiten der Pandemie unsere Arbeit machen und trotz aller Einschränkungen unsere Kunden optimal bedienen können.

In der Krise zeigt sich, wie agil ein Unternehmen aufgestellt ist. Uns ist es nicht nur gelungen, 2020 erfolgreich abzuschließen. Wir haben auch den Grundstein für ein erfolgreiches 2021 mit vielen Innovationen gelegt.

Ein Wermutstropfen ist die nach wie vor schwierige Lage im Bereich der Großveranstaltungen auf internationaler Ebene – eigentlich würden wir jetzt viele große eSports Events produzieren – und im Bereich Messen. Es ist uns jedoch bereits 2020 gelungen, alternative Projekte zu akquirieren und erfolgreich umzusetzen. Ich bin deshalb sehr zuversichtlich, dass sich dieser Trend fortsetzt.

Inwieweit haben Sie aufgrund der Pandemie Ihr Geschäftsmodell, Ihre Arbeitsweise und/oder Ihre Unternehmensstrukturen verändert?
Der Studiobereich, und hier vor allem der Bereich Entertainment-Shows, ist nach wie vor unser wichtigstes Geschäftsfeld. Das liegt aktuell auch daran, dass Produktionsfirmen ein sicheres, kontrollierbares Produktionsumfeld suchen.

Dieses finden sie bei uns, da wir bereits im letzten März sehr schnell Konzepte erarbeitet haben, wie man solche Produktionen trotz Pandemie bei uns umsetzten kann. Von März bis Anfang Juli 2020 hatten wir das höchste gleichzeitige Produktionsaufkommen der Unternehmensgeschichte, und auch im zweiten Halbjahr haben wir sehr viele Produktionen umsetzten dürfen. Wir haben also das Know-how und dazu reichlich Erfahrung bei der Produktion unter diesen besonderen Bedingungen.

Aufgrund der Einschränkungen wurden auch alternative Produktionskonzepte gefördert. Für unseren Bereich TV-Produktion ist das Thema “Remote Produktion” besonders relevant. Damit lassen sich Außenproduktionen aus einer zentralen Regie im Studio steuern. Am Außenproduktionsort wird nur ein kleines Basis-Team benötigt. Diese Art der Produktion wird bei uns sicher stark an Bedeutung gewinnen.

Im Bereich Film- und Serienproduktion sehen wir ein riesiges Interesse am Thema „Virtual Production“. Bei dieser Produktionsmethode, die mit der Disney-Serie “The Mandalorian” weltweit für Furore gesorgt hat, wird im Studio vor hochauflösenden LED-Screens gedreht. Gerade in Zeiten, in denen viele Drehorte nicht erreichbar sind, ist „Virtual Production“ besonders interessant, da man damit Drehorte aus aller Welt ins sichere und kontrollierbare Umfeld des Studios holen kann.

Unseren Bereich Außenübertragung hat es 2020 zunächst einmal kräftig getroffen. Zum Glück ist es uns gelungen, alternative Lösungen und Vertriebsansätze zu fahren.

Statt der Vielzahl von kleinen und großen Events, die es vor der Pandemie bei uns in den Studios gab, haben wir 2020 eine ganze Reihe von virtuellen oder Hybrid-Events von Unternehmen und Verbänden bei uns durchgeführt. Darunter waren Hauptversammlungen, Produktpräsentationen und Tagungen, die aus den MMC Studios in alle Welt gestreamt wurden.

Wie bei vielen Unternehmen hat das Thema “Homeoffice” bei uns stark an Bedeutung gewonnen. Wir haben die dafür notwendige Technik an alle Mitarbeiter*innen ausgegeben, deren Aufgaben die Arbeit im Homeoffice erlaubt.

Darüber hinaus haben wir in den Abteilungen, bei denen es möglich war, Team-Splits eingeführt, d.h. jeweils das halbe Team arbeitet die halbe Woche im Homeoffice. Sollte also einmal jemand aus dem Team-Teil, der gerade vor Ort ist, erkranken, können wir den ganzen Team-Teil austauschen, so dass eine reibungslose Kundenbetreuung gewährleistet ist.

Welche Veränderungen werden dauerhaft sein?
Das Thema Homeoffice ist von unserer Belegschaft gut aufgenommen worden, vor allem wegen der relativ freien Zeiteinteilung und der verbesserten Work-Life-Balance. Aus diesem Grund werden wir das Thema Homeoffice sicher weiterverfolgen.

Im Studiobereich haben wir eine starke Auslastung im ersten Halbjahr, vor allem durch Entertainment-Shows, aber auch durch Filme, Serien und den Corporate-Sektor. Weiterhin wird das Thema “Remote Production” immer wichtiger werden.

Im Bereich Film und Serien wird sich der Trend zur Virtual Production fortsetzen. Zum einen, weil man nicht mehr große Teams zu entlegenen Drehorten senden muss, zum anderen, weil Virtual Production diverse Vorteile gegenüber Green-Screen-Produktionen hat. In diesem Jahr werden wir die ersten Filmprojekte in den MMC Studios sehen, bei denen diese innovative Produktionsmethode zur Anwendung kommt.

Unsere Corporate Event-Kunden konnten bei ihren bisherigen virtuellen Events bzw. Hybrid-Events in den MMC Studios viele Erfahrungen sammeln und haben gelernt, dass diese Art der Events funktioniert und sich auch rechnet. Wir denken daher, dass auch nach Ende der Pandemie nur ein Teil der Firmenevents Präsenzveranstaltungen sein werden und der Rest als virtuelle Events umgesetzt werden wird.

2020 war in der gesamten TV- und Filmbrache ein starker Zusammenhalt zu sehen. Die Kommunikation und Solidarität zwischen Sendern, Produzenten, Dienstleistern und Branchenverbänden war ausgezeichnet. Dies hat die Branche geprägt und wird auch in 2021 spürbar sein.

Was erwarten Sie für das Jahr 2021?
Das Jahr 2021 steht bei uns vor allem im Zeichen von Innovationen und neuen technischen Entwicklungen. Seit Januar haben wir einen eigenen UHD HDR Übertragungswagen, so dass wir sowohl in unseren Studios als auch on Location Produktionen aller Art und Größe mit eigenen Ressourcen in diesem neuen TV-Standard umsetzen können.

Ebenso werden wir unser Engagement im Bereich Virtual Events bzw. Hybrid-Events stark ausbauen. Wir haben eines unserer Studios eigens für solche Events reserviert und mit entsprechender Technik ausgestattet. Die voraussichtlich starke Auslastung unserer Studios lässt uns sehr positiv auf 2021 blicken.

Die komplette Interview-Reihe lesen Sie hier: www.medienstadt.koeln

Foto: Jens Wolf, Geschäftsführer der MMC Studios Köln GmbH. © MMC Studios